Literatur & Autoren

Leseraufgabe

Sieben Worte, eine Geschichte – und deine Bonuspunkte.

Leseraufgabe

Sieben Worte, eine Geschichte: Die Leseraufgabe ist unser Mitmach-Herzstück. Für jede veröffentlichte Geschichte gibt es Bonuspunkte.

Aus dem Gelsenletter, Ausgabe 1 – August 2026

Sieben Worte, eine Geschichte

Schreibe aus den folgenden sieben Wörtern eine kleine Geschichte – höchstens 300 Worte, gerne weniger:

Haus – Garten – Nachbar – Müllabfuhr – Einbahnstraße – Stoßverkehr – Feldstecher

Die Worte werden in jeder der Ausgaben aktualisiert. Einsendungen sind jedoch jederzeit möglich. Die schönsten Geschichten erscheinen in den nächsten Ausgaben – und werden mit je 10 Bonuspunkten belohnt.

Ein Hinweis: Es geht nicht um Perfektion, sondern um Atmosphäre. Ein einziger guter Satz reicht, um die Sonne aufgehen zu lassen.

Einsendungen an: info@gelsenletter.de – Betreff: Monatsgeschichte

Eine Geschichte von Astrid Meier

Astrid Meier hat sich der Leseraufgabe aus dem Beispiel-Gelsenletter angenommen und aus den vorgegebenen Wörtern – Brücke, Schirm, Streichholz, Brief, Bahnsteig, Mond, Versprechen – folgende Geschichte verfasst.

Der Mond war gerade aufgegangen. Ich hatte meiner Freundin das Versprechen gegeben, sie am Bahnsteig abzuholen. Die Meteorologen hatten trockenes Wetter vorhergesagt, also ließ ich den Schirm zu Hause. Am Bahnhof befindet sich die Hauptpost und natürlich konnte ich dort meinen Brief in den Kasten werfen. Manche Dinge müssen eben gleich erledigt werden, bevor man sich den schönen Dingen widmen kann.

Die Bahnhofsbrücke führt über die Gleise und ich warf schon mal einen Blick hinunter. Gleich würde ich meine Freundin wiedersehen und morgen würden wir mit dem Zug nach Travemünde fahren und von dort mit der Fähre nach Schweden. Für sie als Bayerin würde es ein ganz besonderes Erlebnis werden. Alleine schon die Ansicht des Skandinavien-Kais in Travemünde und dann auf diese große Fähre steigen …, das ist schon etwas anderes, als mit einem kleinen Bötchen über einen See zu tuckern! Wie war das noch? „Wenn ich das Meer seh’, brauch ich keinen See mehr!“

In Schweden angekommen, würden wir mehrere Stationen anfahren auf unserem Weg nach Öland. Unter anderem wollten wir unbedingt dem schönen und überaus interessanten Streichholz-Museum in Jönköping einen Besuch abstatten.

Auf Öland gibt es auch viele interessante Dinge zu bestaunen. Einen Wald mit lauter krummen Bäumen im Norden der Insel und das Schloss Solliden in Borgholm. In dem Schloss ist die königliche Familie oft zu Besuch!

Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber erforscht doch mal selber, was es da so alles zu bestaunen gibt!

10 Bonuspunkte erhalten

Eine Geschichte von C. Sindel

Der Bahnsteig war um 23:55 Uhr wie ausgestorben. Nur eine Frau wartete unter einem schwarzen Schirm, den Blick starr auf die Anzeigetafel gerichtet. In ihrer Hand hielt sie einen alten vergilbten Brief. Darauf stand nur ein Satz: Halte dein Versprechen.

Sie hatte den Brief nie vergessen. Genauso wenig wie jene dunkle Nacht vor fünfzehn Jahren. Am Ende des Bahnsteigs führte ein schmaler Weg zu einer alten Brücke. Dort hätte sie ihn treffen sollen. Sie hatte ihn geliebt, aber stattdessen hatte sie ihn damals der Polizei ausgeliefert. Als sie endlich an der Brücke angekommen war, trat eine Gestalt aus der Dunkelheit heraus.

„Du bist pünktlich“, sagte die Person.

Vor Schreck erstarrte sie und sagte: „Das kann nicht sein, du bist doch tot.“

Lächelnd zog er ein Streichholz aus seiner Tasche und entzündete es, die kleine Flamme zeigte kurz sein Gesicht, das bleich und reglos war. „Tot“, flüsterte er. „Nein, nur für die anderen.“ Nun erlosch die Flamme.

Auf einmal hörte sie Geräusche, Schritte und Stimmen, die ihren Namen flüsterten. Voller Angst drehte sie sich um, aber die Brücke war leer. Plötzlich erschien ein Blaulicht zwischen den Bäumen, zwei Polizisten rannten auf sie zu und riefen: „Lassen Sie sofort den Brief fallen!“ Verwirrt blickte sie auf das vergilbte alte Papier und öffnete es – es war leer. „Wo ist er, er war doch eben noch hier!“, schrie sie.

Die Beamten wechselten einen verständnislosen Blick und sagten: „Ma’am, es gibt keinen Mann. Seit 15 Jahren kommen Sie in jeder Vollmondnacht zu dieser Brücke, immer mit dem gleichen Brief, und immer warten Sie auf jemanden, der in jener Nacht gestorben ist.“

Sie sah zum Himmel, hoch oben war er, der runde weiße Mond, und jetzt kam die Erinnerung: nicht er hatte sie verraten, sondern sie hatte den Abzug gedrückt. Und das Versprechen, das sie ihm damals gegeben hatte – ich werde dich niemals verlassen – hielt sie seit fünfzehn Jahren auf die einzige Weise im Gedächtnis, die ihr noch geblieben war: indem sie jede Nacht zu dem Ort zurückkehrte, an dem sie ihn verloren hatte.

10 Bonuspunkte erhalten

Mach mit und sammle Bonuspunkte

Für deinen Beitrag zu dieser Rubrik bekommst du Bonuspunkte gutgeschrieben. Mit ihnen bezahlst du später deine eigene Werbung oder tauschst sie gegen Prämien ein.